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Windkraft als starken Player der Region voranbringen

Emden (14. Februar 2025)– Wie Kreislaufwirtschaft und Künstliche Intelligenz die Windkraftbranche bereichern können, welche Herausforderungen die Branche allgemein zu meistern hat und wer als wichtiger Player der Energieversorgung vielleicht bisher noch zu wenig in den Fokus genommen wird, wurde am Dienstag im Emder Freihafen diskutiert. Das Transferzentrum für Nachhaltige Mobilität der Hochschule Emden/Leer und greentech OSTFRIESLAND hatten zu einer Vortragsveranstaltung zum Unternehmen Wind Multiplikator eingeladen.

Unter dem Motto „Mit Rückenwind in die Zukunft – KI & Kreislaufwirtschaft als neue Perspektiven der Windenergie in Ostfriesland“ gaben insgesamt fünf Vortragende interessante Einblicke in unterschiedliche Bereiche. Den Auftakt machte Marcel Diekmann von der EMS Maritime Offshore GmbH. In seinem einführenden Vortrag hob er insbesondere die Bedeutung der Hafeninfrastruktur für Deutschland und die Region hervor. Diese spielten eine zentrale Rolle bei der Versorgung mit Rohstoffen für den Ausbau der erneuerbaren Energien ein, sorgten für Arbeitsplätze und leisteten wichtige Investitionen.

Dennoch sei die gesellschaftliche und politische Wertschätzung dieser Branche noch ausbaufähig, so Diekmann, der die Offshorebranche seit fast 20 Jahren aktiv begleitet. Insbesondere Emden mit seiner Nähe zu den Offshore-Windparks, innovativen Unternehmen und guten Logistikwegen, könne eine große Rolle innerhalb der Energiewende einnehmen und als Modell für nachhaltige Logistik und grüne Energieversorgung fungieren. Zudem könnten noch viele weitere gute Ansätze gemeinsam mit dem Know-how der Hochschule entwickelt werden, etwa zur umweltschonenden Entsorgung abgängiger Anlagen. Dafür brauche es eine engere Zusammenarbeit von Unternehmen, Hafenbetreibern und Energieversorgern sowie eine gemeinsame Stimme in Richtung Politik.

In den anschließenden Fachvorträgen wurden spezielle Aspekte beleuchtet. So zeigte Prof. Dr. Iván Herráez von der Hochschule Emden/Leer auf, wie anhand von KI-gestützten Simulationen etwa Windgeschwindigkeit, Lasten oder auch mögliche Schäden vorhergesagt werden können und damit eine effizientere Energiebilanz, geringere Kosten und größere Zuverlässigkeit der Anlagen und Parks ermöglichen. „Windkraft macht etwa ein Drittel unseres Energie-Mixes aus und ist derzeit damit der wichtigste Energieträger“, so der Professor. Daher sei es von großer Bedeutung, die durch einen dynamischen Wechsel in der Verfügbarkeit geprägte Technologie zu optimieren.

Dies unterstrich auch Dr. Kathrin Kramer von der Leuphana Universität Lüneburg, die in Emden Impulse dazu gab, wie eine Kreislaufwirtschaft die Windindustrie nachhaltiger und widerstandsfähiger machen kann. Der Vortrag gab einen spannenden Überblick über den Aufbau und die Skalierung der Kreislaufwirtschaft für die Lieferketten der Windindustrie und diskutierte dessen Bedeutung, Potenziale und Herausforderungen. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Wertschöpfungskette nach der ersten Betriebsphase von Windenergieanlagen gelegt, indem verschiedene Pfade für rückgebaute Anlagen aufgezeigt wurden.

Dr.-Ing. Sebastian Jeanvré vom Unternehmen EWD Benli Recycling machte anschließend in seinem Vortag nochmals die hervorragende Eignung des Emder Hafens für Rückbauprozesse von industriellen Großstrukturen wie Windkraftanlagen deutlich. Da das Unternehmen neuerdings auf seinem Werftgelände auch Abwrackprozesse durchführen darf, sei ein weiterer wichtiger Baustein für Emden als Rückbauhafen der Windindustrie geschaffen.

Die Entscheidung für Rückbau oder Weiterbetrieb von Windenergieanlagen über ihre Entwurfslebensdauer hinaus erfordert fundierte Prüfungen und Bewertungen. Der abschließende Vortrag von Christian Saathoff und Nico Kaldun von den Firmen Rosendahl Windtechnik und IDAS Wind gab einen interessanten und praxisnahen Überblick über die wesentlichen Anforderungen sowie die Bestimmung der potentiellen Restnutzungsdauer anhand praktischer Inspektionen und analytischer Lastrechnungen.

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